Ergänzungen: Literaturquellen


Eisele/a1


Eisele/e1: [FW984], S. 16 - 18:

In den Orten der näheren Umgebung stossen wir schon sehr früh auf den Sippennamen Eisele. 1490 lebt ein Michel Yselin in Harthausen, er gibt in diesem Jahre dem Stuttgarter Stift 13 Schilling Hetter aus 2 Jauchert Acker, die an "die schwarzen Wiesen stoßen". Ferner gibt er 2 Schilling aus einer Wiese, "litt unter Hofwiesen an der gruobsgassen" und 3 Hühner aus der Stockwiese (LBG 2000). Im gleichen Jahre 1490 gibt Michel Yßelin dem Stuttgarter Stift 7 Schilling Heller aus einem Acker zur Garneweidach. Es ist zu vermuten, daß es sich um dieselbe Person handelt. Demnach hätte der Harthäuser Bürger Yßelin Besitz auf der Neuhäuser Markung gehabt. In Neuhausen tritt die Sippe erstmals im Jahre 1480 auf. Es ist wohl ganz ausgeschlossen, daß die Sippe von auswärts, etwa von Harthausen nach Neuhausen zugewandert ist. Vielmehr handelt es sich um ein Geschlecht, das seit urdenklichen Zeiten in Neuhausen beheimatet war. Die Sippe hat sich nachweisbar schon im 16. Jahrhundert sehr stark entwickelt und gehört heute noch zu den stärksten im Ort. Der älteste Sippengenosse ist Jerg Yßelin, der in einem Teilungsregister vom Jahre 1480 aufgeführt ist. Im Jahre 1509 ist er wiederum erwähnt. Er gibt der Herrschaft in diesem Jahre den jährlichen Dienst (Fronleistung) aus Haus und Hof sowie 15 Schilling Heller und eine Fasnachtshenne. Im Jahre 1495 ist ein Hans Yselin erwähnt. Er führt den Beinamen "der Leimle" und hatte einen herrschaftlichen Bestands- oder Pachthof in Bewirtschaftung (Adel II B 89). Er gab den Hof im Jahre 1495 an die Herrschaft wieder zurück. 1501 ist er wiederum erwähnt, als er der Salmansweiler Pflege in Eßlingen den Zins aus seinem Haus und der Hofraithe (Hof), zwischen dem Wylbach und Konrad Yßelin gelegen, gab (LEG 886). Dieser Konrad Yßelin besaß ein Haus und einen Hof neben Kaspar Boltz und Hans Yßelin, er gab daraus der Salmansweiler Pflege 2 Hühner. Wenige Jahre später nahm er 2 Jauchert und 3 Morgen Acker im Bernhäuserweg, zu Steydach, am Wylbach und hinterm Berg in Bestand oder Pacht. Er gab daraus als Pachtgeld der Herrschaft den Dritten Teil des Ertrags. Konrad Eyßelin, ein weiterer Sippengenosse, besaß ein Haus mit Hof und Scheuer in der Kirchgasse.
Im Jahre 1528 bekam die Herrschaft den Zins aus diesem Anwesen, außerdem l Schilling und 4 Heller aus einem Weingarten (LBW 385). Im Jahre 1533 ist er in einem Teilungsregister wiederum erwähnt, ebenso ein Jörg Eysselin.Michel Eißele, ein weiterer Sippenangehöriger, zinste im Jahre 1585 aus einer Wiese zu Garnweidach 7 Schilling Heller (LBG 2084). Ein weiterer Michael Eißele, geb. 1537, war württembergischer Leibeigener (LBW 1664). Er wurde später von der Herrschaft zum Schützen bestellt. Ursprünglich waren die Eisele eine reine Bauernsippe. Ein Zweig des Geschlechtes war jahrhundertelang im Besitze der Hinteren Mühle. Wieder andere Zweige wandten sich früh schon handwerklichen Berufen zu, bewahrten aber den ursprünglichen bäuerlichen Charakter. Insbesondere finden wir Berufe wie Wirte, Metzger, Schmiede und Schuhmacher. Später erfolgte der Übergang zu bauhandwerklichen Berufen. Im 19. Jahrhundert finden wir sodann auch geistige Berufe vertreten. Es muß noch vermerkt werden, daß mehrere Sippengenossen früher im ehrenamtlichen Dienste der Gemeinde standen.


Eisele/e2: [EE], S. 253-254:

Die älteste ist die hintere Mühle, zeitweilig auch die obere Mühle genannt. In einer Urkunde von 1331 hieß sie die Lempenmühle, welchen Namen sie von einem früheren Besitzer erhalten hatte. Sie war seit ältester Zeit ein Erblehen, also persönliches Eigentum des Müllers, und gab der Herrschaft den jährlichen Mühlenzins. Im Jahre 1389 führte sie den Namen Brunenmühle oder Brauns Mühle. Hundert Jahre später besaß sie der Bauer Heinz Hippen, er gab der Herrschaft den "jährlichen Zins mit 5 Pfund Schilling Heller, so auf Wihenacht gefallend." Der Nachfolger Jerg Dirrleber kam durch Einheirat in den Besitz des Anwesens, er leistete 1509 den jährlichen Zins mit 6 Pfund Heller. Bald darauf erwarb Hans Maylin den Betrieb, 1509 hatte Jerg "Walter die "Mülin inne, so am Wylbach gelegen ist. Er zinste der Herrschaft auf Martini 2 Pfund Heller, eine Fastnachtshenne, zwei junge Hennen und gab statt des Frondienstes 2 Gulden. Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts kam die Mühle an einen Zweig des Geschlechtes Mayer. Im Jahre 1597 gab Hans Mayer, genannt Zeyher, der Herrschaft den Mühlenzins mit 3 Gulden.
Bald nach 1600 erwarb sie August Eisele, bei dessen Nachkommen sie volle 200 Jahre verblieben ist. Im Jahre 1809 ging sie für 3675 Gulden an den späteren Schultheiß Franz Balluff über, der sie seinem Tochtermann Thomas Walter vermachte. Er verkaufte sie 1836 an den Müller und Bäckermeister Rau von Urach für 6115 Gulden. Zwei Jahre später veräußerte Rau das verschuldete Anwesen an Daniel Hutzel von Heilersbach bei Nagold für 3500 Gulden.Er verkaufte es 1839 an Lorenz Stetter von Pfauhausen, [siehe Stetter/x7], für 8100 Gulden. Stetter wirtschaftete rückwärts und sah sich gezwungen, die Mühle 1851 für 5880 Gulden an Ochsenwirt Johann Georg Bayer zu verkaufen. Einige Jahre später übernahm der Sohn Josef Anton Bayer das Anwesen und vererbte es auf seine Nachkommen, in deren Besitz es heute noch ist. Der 1939 verstorbene Paul Bayer erneuerte den Betrieb.


Finck/v6


[HM978], S. 57 - 58: Wer war nun diese "Margret Geblerin"? Es war die zweite Frau Finckhs, die er etwa elf Monate nach dem Tode der "Martha Lippin" heiratete. So knieen die zwei Töchterchen aus erster Ehe, "Doradea Margretha" und "Anna Madlena", zwischen ihrer Mutter und Stiefmutter! Ja, die Sache wird noch merkwürdiger dadurch, daß Anna Madlena, die jüngere, die vor ihrer Stiefmutter kniet, sieben Jahre später deren Bruder, den Landschaffner Jakob Gebele, heiratet, also ihren Stiefonkel!
Es ist schade, daß Simon Finck oder Finckh, wie er sich selber schreibt, nicht seine Lebensgeschichte verfaßt hat; es wäre dies eine Quelle einziger Art für die Geschichte des Kinzigtals während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewesen, war er doch nicht weniger als 50 Jahre im Dienste der Landesherren, der Grafen von Fürstenberg, und zwar mit einer kurzen Unterbrechung immer in Haslach wohnend. Die letzten 30 Jahre seines Lebens füllte außerdem der 30jährige Krieg aus. Nun folge aus zahlreichen Akten des Fürstl. Fürstenb. Archivs in Donaueschingen ein kurzer Lebensabriß des hervorragenden Mannes. Finckh wurde 1581 in Wolfach geboren. Er muß eine vorzügliche Erziehung genossen haben; wo er sein umfassendes Wissen erworben hat, ist nicht bekannt Schon 1598 kam er an das Oberamt Haslach. Mit 21 Jahren wurde er in Wolfach mit der Tochter des Landschaffners Benedikt Lipp in Wittichen getraut. Sie schenkte ihm 1603 oder 1604 einen Sohn, der offenbar nach dem mütterlichen Großvater den Namen Benedikt erhielt (auf dem Grabmal der größere Knabe links), und am 18. 08. 1607 eine Tochter Dorothea Margarete. Im Jahre 1609 wurde er Landschaffner in Wittichen, wo ihm eine zweite Tochter, die schon genannte Anna Magdalena geschenkt wurde. Am 11. 05. 1610 wurde er nach Haslach zurückversetzt. Er findet in der Amtswohnung weder Tische noch Stühle, noch Bänke oder Bettstellen. Seine drei Kinder sind krank. Er läßt sich, da er nur eine eigene Bettstatt besitzt, aus dem Schlosse drei alte Bettladen und zwei Strohsäcke holen, um seine Kinder und sein Gesinde legen zu können. Seine Frau ist tiefunglücklich.
Im Oktober dieses Jahres ziehen die Brandenburgischen Truppen durch das Kinzigtal und fügen den Leuten in Stadt und Dorf großen Schaden zu. Im nächsten Jahre zieht ein unheimlicher Gast, die Pest, in Haslach ein. Es starben so viele Menschen, daß Finckh mit seiner Familie und ebenso der Oberamtmann Erasmus Pascha nach Steinach flieht. Am 13. Januar 1613 wird das jüngere Söhnchen Christoph ("Christoffel" auf dem Grabmal) geboren. Den Namen erhält es nach dem Grafen Christoph von Fürstenberg, der auch als Pate eingetragen ist. Dieser Graf wird in Linz an der Donau (Oberösterreich) von seinem Vetter Graf Wilhelm (1586-1618) im Streit am 05.01.1614 erstochen. Finckh erhält die ehrenvolle Aufgabe, den Leichnam in Begleitung des Haslacher Stadtpfarrers Conrad Hoch in Linz abzuholen und in die Heimat nach dem Kloster Maria-Hof in Neudingen zu bringen, wo er beigesetzt wurde. Was Finckh und das Kinzigtal während des 30jährigen Krieges zu erdulden hatte, habe ich in den beiden Aufsätzen der "Ortenau" 1940 ("Blutegel Wernikau" und "Ein Jahr der Not") zu schildern versucht.
Etwa im Jahre 1620 wurde Finckh Nachfolger des scheidenden Oberamtmanns Erasmus Pascha. Am 22.06.1622 stirbt seine Frau Martha Lippin nach 20jähriger Ehe. Da seine Kinder noch unerwachsen sind, heiratete er am 09. 05. 1623 die Witwe eines Wolfacher Beamten, Margarete Reitter, geborene Gebele ("Margret Geblerin"). Vermutlich hat sie ihm nach dem Tode seiner ersten Frau die Haushaltung geführt. Aus dieser Ehe ging nur ein Kind Johanna (geb. 03. 05.1625) hervor, das aber schon mit 15 Jahren starb. Im Jahre 1634 kaufte er von den Erben des schon erwähnten Junkers Jodokus Stehelin von Stockburg das große Patrizierhaus neben dem späteren Geburtshaus Hansjakobs, über dessen Tor noch das Finckh'sche Wappen zu sehen ist, und zog dort ein. Vorher hatte er in dem schon erwähnten Haus mit dem schönen Portal gewohnt, das der fürstlichen Herrschaft gehörte. Nachdem er schon 1601 ein vom Kaiser Rudolf H. verliehenes Wappen geführt hatte, verlieh ihm 1616 Kaiser Matthias ein neues Wappen, mit dem die Lebensfähigkeit verbunden war. 1635 erhielt er von dem Grafen Friedrich Rudolf von Fürstenberg die Belehnung mit dem Tale und der Burg Wallstein (heute Waldstein), und schließlich wurde er am 04.02.1638 von Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat "von Wallstein" in den Reichsadelsstand erhoben und ihm ein neues Wappen verliehen. Viele Jahre litt er schwer unter der Gicht, von der er vergebens bei geschickten ärzten in Straßburg Heilung suchte. Am 11. Januar 1648 wurde er von seinen Leiden und Sorgen erlöst und neben seiner ersten Frau beerdigt, tief betrauert von allen, die ihn kannten.
Sein ältester Sohn Benedikt, der die Rechte studiert und den Doktorgrad errungen hatte, folgte ihm schon am 12. Mai des gleichen Jahres im Tode nach. Er war 20 Jahre Schultheiß der freien Reichsstadt Zell a. H. und besaß von 1640 an das adelige Gut Grobem bei Zell. Er verlor durch den Krieg sein großes Vermögen und hinterließ eine große Schuldenlast (siehe [DF937]).
Der zweite Sohn Finckhs, Christoph, sollte nach dem Willen des Vaters auch studieren, wurde aber Soldat und führte ein abenteuerliches, verschwenderisches Leben. Als Leutnant machte er viel Schulden und bereitete dem Vater viel Kummer. Er starb am 19.05.1660. Die ältere Tochter Finckhs heiratete im Alter von 15 Jahren den Fürstenbergischen Beamten Christian Sandhaas aus Wolfach, der zuletzt Obervogt in Neustadt war. Sie starb schon mit 40 Jahren und hinterließ eine Tochter Eleonora, die den Amtsschaffner Andreas Schaid heiratete. Das Grabmal der letzteren befindet sich in Zell a. H. bei der Stadtkirche (gest. 1693; siehe Dischs "Chronik von Zell"). Daß die jüngere Tochter Finckhs, Anna Magdalena, den Landschaffner Jakob Gebele heiratete, haben wir schon erzählt. Sie starb vor ihrem Vater und hinterließ vier Kinder. Gebele erreichte es von Graf Friedrich Rudolf, daß das Lehen Waldstein und der Adelstitel auf seinen Sohn Simon Gebele übergingen, der sich nun "Gebele von Waldstein" nannte. Dieser studierte die Rechte und wurde später Oberamtmann von Wolfach. Ein Enkel von ihm, Josef Anton Roman Gebele von Waldstein, geb. 23.11.1716 in Wolfach, lebte zuletzt als pensionierter fürstenbergischer Hofrat in Haslach und starb hier. Sein Grabmal befindet sich auch an der Friedhofskapelle. Es ist recht einfach gehalten; in der unteren Hälfte trägt es die lateinische Inschrift, bei der sonderbarerweise die Angabe des Todesjahres (1793) fehlt. In der oberen Hälfte ist das sehr sauber gearbeitete Wappen, das der Vorfahre Simon Finckh bei der Adelsverleihung 1638 erhielt. Von beiden Grabmälern zeigt also das eine das ältere, das andere das neuere Wappen. Das Denkmal selbst zeigt in seiner gediegenen Sachlichkeit den klassizistischen Stil seiner Zeit und atmet die ruhige Würde des im Alter von 77 Jahren verstorbenen Hofrats a. D.


Gebele/a1


[KK898]: Georg Gebel führte nach einem Stammbuchblatte 1594 im b. g. b. getheilten Schilde drei rechtsgekehrte Löwentatzen wechselnder Farbe; aus dem Stechhelme mit b. g. Wulste und Hd. gehen zwei g. Tatzen hervor, welche auf b. Schüssel einen g. Apfel halten. Er war um 1600 Landschreiber der Landgrafschaft Klettgau und führte als solcher nach einer alten Handzeichnung in B. drei linksgekehrte Tatzen, auf dem Turnierhelme aber eine von zwei g. Tatzen gehaltene g. Schüssel mit r. Apfel. Ob Benedictus de Gebel aus Ensisheim, zuerst Mönch in St. Blasien, 1639 bis + 1641 der 65. Abt von Schuttern zu vorigem Geschlechte gehört, ist fraglich. Jacob Gebel, Fürstenbergischer Landsasse, heirathete Anna Magdalena, Tochter des 1638.04.02. "von Waldstein" in den Reichsadelstand erhobenen Simon Finckh; sein Sohn Simon Gebelin, Erbe von Waldstein, wurde vom Grafen Friedrich Rudolf von Fuerstenberg-Stuehlingen d. d. Wolfach 1649.25.07. als "Gebele von Waldstein" geadelt. Joachim G. v. W., Pfarrer in Kreenheinstetten, 1751 Hofkaplan in Heiligenberg. Joseph Anton G. v. W., n. Haslach 1760.02.02., seit 1804 Pfarrer in Honstetten, + 1829.26.06. Der Rath und Obervogt v. G. zu Ueberlingen war noch 1838 im Kinzigthale begütert. Friedrich Joseph Otto v. W. 1868 Großh. Bad. Lieutenant.

[KK898]: Wappen (1649): In B. auf gr. Dreiberge ein natürlicher Baum, darüber ein mit drei r. Lilien in der Richtig belegter g. Schräglinksbalken; H. mit r. g. b. Wulste und b. g. bez. r. g.; Hd.: ein Pfauenschweif.


Harter/a1


Harter/e1: [LK989], S. 166 - 169:

Der 1729 eingesetzte Vogt Franz Harter gab 1747 Anlaß für Streitigkeiten im Tal, die die Bürgerschaft und den Rat in zwei Lager spalteten. Verstöße gegen die Berechnung der Hintersassen- und Frevelgelder und über die für Soldaten abzuführenden Heu-, Hafer- und Kornrationen wurden ihm vorgehalten; außerdem sollen Litterarien verschwunden sein. Einer mündlichen Rechenschaftslegung kam er nicht nach, weil er Angst hatte, als purer Lands- und bauersmann von einem Rechtsgelehrten aufs Eiß geführt zu werden. Außerdem habe man dies von einem Vogt noch nie verlangt und in so kurzer Zeit sei er auch gar nicht in der Lage dazu. Eine weitere Beschwerde kam von den Fürstenbergischen Jägern, die den Harmersbacher Vogt der gemeinschaftlichen Wilderei bezichtigten. Wegen der zögerlichen Haltung des Vogtes wandte sich der Anwalt der Beschwerdeführer an das Reichsgericht, um eine Klärung herbeizuführen. Der Abt mischte sich natürlich auch wieder ein, weil eine Verhandlung gegen den Vogt erneut die Frage nach der Gerichtsbarkeit über den Talvorsteher aufwarf.
Stabhalter Samson Künstle versuchte die Vorwürfe gegen den Vogt vor Ort zu klären. Harter, schon einmal verwarnt, er solle das Karten- und Kegelspiel mit schlechten Leuten unterlassen, versteckte sich hinter dem Gengenbacher Abt, der sich die endgültige Urteilsfindung in diesem Fall nicht nehmen lassen wollte. Er strengte einen Prozeß beim Reichskammergericht in Wetzlar an. Die Untersuchungskommission im Tal wurde aufgefordert, Harter wieder in sein Amt einzusetzen, bis der Abt genügend Gründe erfahren habe, ob die Suspension rechtens gewesen sei.
Die folgenden Jahre wurde wohl mehr schlecht als recht regiert. Die Vorwürfe konnten nicht ausgeräumt werden, neue kamen hinzu, so z.B., daß der Vogt das Sessionsgeld eigenmächtig erhöht habe. Ohne den Rat vorher darüber zu informieren, zog Harter die Konsequenz und trat am 21. 03. 1754 zurück.
Jetzt war zuerst der Rat gefordert, die Amtsgeschäfte weiterzuführen. Da zu dieser Zeit der Alte Rat nur aus sieben Mitgliedern bestand, mußte zuerst eine notwendige Ergänzungswahl durchgeführt werden, um überhaupt einigermaßen die Verwaltung aufrechtzuerhalten. Der Rat schien aber die verfassungsmäßigen Bestimmungen des Tals auch nicht sehr eng ausgelegt zu haben. Er erhöhte eigenmächtig das Bürgerrechtsgeld von 2 auf 5 fl und teilte es unter sich auf, was eigentlich schon seit 1728 praktiziert worden war, aber ohne rechtliche Grundlage. Den Inhalt aus dem Frevelkästchen sollen die Räte ebenfalls eigenmächtig an sich genommen haben. Ob der Vorwurf aufrechtzuerhalten ist, muß bezweifelt werden, denn schon unter der Regentschaft von Harter gab es Unregelmäßigkeiten, so daß über den verbleibenden Rest in der Kasse nichts gesagt werden konnte.
Ferner soll der Rat auch ohne Noth einen kostbaren Rathausbaw begonnen haben, obwohl man den alten mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand hätte instandsetzen können.
Die Unerfahrenheit des Rates zeigte sich in der Verbrechensbekämpfung, als man den Stopfel Mohr, einen Ertz spitzbuben ergriff und ihn wieder laufen ließ. Bei einer Inhaftierung, so der spätere Vorwurf, hätte das andere Gesindel sich aus dem Staub gemacht. Jetzt mußte eine straiff abgehalten werden, bei der 14 verdächtige Personen aufgegriffen und auf öffentliche Kosten arrestiert wurden.
Daneben war man von selten des Rates bemüht, die Suspension des Vogtes rechtfertigen zu lassen. Der laufende Prozeß mit Gengenbach und ein Gutachten, das die Absetzung des Vogtes bestätigte, verursachte nicht geringe Kosten. Gleichzeitig liefen Verhandlungen mit den drei Reichsstädten, die in die Klärung des Falles eingeschaltet waren.
Die Schulden des Gemeinwesens nahmen immer mehr zu. Bis 1757 sollen sie auf 21.000 fl angestiegen sein. Diese Art des Regierens, mit menschlichen Schwächen und organisatorischen Fehlern, stand der weniger erfreulichen Regentschaft des suspendierten Vogtes in nichts nach. Der wartete derweil auf seine Chance, weil er immer noch vermutete, die ursprünglichen Anschuldigungen hätten nur dazu gedient, um ihn von seinem lang ausgeübten Vogtamt abzubrin-gen.
Harter nutzte seine soziale Stellung. Als wohlhabender Bauer hatte er einen starken Rückhalt. Eine große Verwandtschaft, die darauf hoffen konnte, im Falle einer Wiedereinsetzung Vorteile zu erhäschen, stärkte seine Position. Am 28. 05.1757 drang der wegen personal und real Amtsfreveln abgesetzte Vogt mit 200 - 300 Mann in eine Ratssitzung ein, ließ die anwesenden Räte festhalten und zwang sie zur Herausgabe des Gerichtssiegels und des Archivschlüssels. Er zog wider alle observanz zwei Räte nach und drohte, notfalls mit gewaffneter Hand die Bürger zum Gehorsam zu zwingen.
Systematisch baute der neue alte Vogt seine Machtstellung aus. Im Alten und Jungen Rat sowie im Ausschuß der Bürgerschaft tauchten immer mehr Mitglieder des "Harter-Klüngels" auf, Freunde und Verwandte. Das war möglich, weil Harter bei der Besetzung von Amts- und Gerichtsposten nie den Alten Rat berief, sondern mit den Männern sich beriet, die er am besten leiden konnte.
Durch unerlaubte Praktiken brachte Harter die Mehrzahl der Bürger auf seine Seite. Harter ließ den Jungen Rat und den Bürgerausschuß bei Urteilen mitberaten und -entscheiden. Diese Neuerung erlaubte im Frühjahr 1758 eine Untersuchung der beiden Gremien gegen die abgesetzten Räte Michel Bruder, Franz Schmider, Michel Isenmann, Salomon Breig und Johannes Serrer. Es wuchs zu einem Tribunal aus, alte Rechnungen wurden beglichen und die Angeklagten wurden teilweise für Entscheidungen in ihrer Amtszeit regreßpflichtig gemacht. Im März 1758 entließ man die fünf aus ihren Ratsämtern.
Die Abgesetzten appellierten beim Reichskammergericht und erhielten ein Mandat zu ihren Gunsten ausgestellt. An den derzeitigen Machtverhältnissen im Tal änderte sich aber nichts, denn der aufgeblasene Bauernvogt und seine Anhänger wußten sich geschickt zu behaupten.
Der Anwalt der fünf Räte, für den die rechtmäßige Absetzung des Vogtes außer Frage stand, verurteilte in einer Beschwerde an das Reichsgericht die Zustände des Harmersbacher Gerichtswesens. Durch die Hinzuziehung des Jungen Rates und des Ausschusses läge die ganze Macht dort und nicht mehr beim Alten Rat, der das eigentliche Gericht bilde. Man brauche sich nur einmal die Urteile im Vergleich ansehen, dann werde man den Unterschied feststellen.
Die Bürgerschaft im Reichstal Harmersbach habe nicht im mindesten das Recht, sich in die Justiz einzu mischen oder einige Einsicht oder notiz davon zu nehmen. Es sei ein ebenfalls tumultuoses impertinentes petitum, so nach einer in allen reichsständen unerhörten democratischen regierungsform schwenket, wodurch die bürgere den Zwölfer rath, die obrigkeitliche Gewalt zu hemmen und zu mindern, mit höchst sträflicher Vermessenheit sich anmaßen. Und in dem Schreiben an das Reichskammergericht schlug er noch schärfere Töne an: Wer kann nun was blöderes, was feiger es, was niederträchtigeres suchen als solch einen Vogt? Dieser gehöre zeitlebens von allen ämtern ausgeschlossen, da er nicht mehr regiere, sondern sich regieren lasse. Und das zeige sich am ehestens daran, daß der Vogt mutus ut piscis ("stumm wie ein Fisch") sei, wenn es um die Ahndung der Beleidigungen gegen die ehemaligen langjährigen Ratsherren gehe.
Während die neuen Machthaber versuchten, durch die Einführung des "Umgeldes" (eine Art Weinsteuer) die Schulden des Tales abzubauen, wechselte der Parteigänger Christoph Heitzmann, damals Sonnenwirt, die Front und lief zu den abgesetzten Räten über. Damit war die Verwirrung eigentlich perfekt:

Es schien kein Ende mehr nehmen zu wollen, was da an gegenseitigen Vorhaltungen und Streitigkeiten auf das Tal und dessen verfeindete Parteien zukam. Wären da nicht die horrenden Prozeßkosten gewesen, die die Harmersbacher Gemeindekasse immer mehr belasteten, die Streithähne hätten sich wohl nicht so schnell an einen Tisch gesetzt. Auf Druck des Hochfürstlichen Schwäbischen Kreisausschreibamts Stuttgart kam durch Vermittlung ein Vergleich zustande, der die fünf Räte, den Vogt Harter, Alten und Jungen Rat sowie die Rottmeister der Bürgerschaft zufrieden stellte:

  1. Die fünf Räte anerkennen die Wiedereinsetzung des Vogtes.
  2. Dieselben verzichten aus Liebe zum Frieden auf ihre Zwölf erstellen, können aber künftig wieder dazu berufen werden.
  3. Sie stellen keine Nachforderungen an Diäten.
  4. Rückständige Steuer, Schätzung, Fron und Wachen werden nachentrichtet.
  5. Gegen die fünf Räte verhängte Strafen werden als nicht geschehen betrachtet (gilt nicht für Vergehen, die sie als Privatpersonen begangen haben).
  6. Die Bürgerschaft soll die Obrigkeit mit der Entrichtung aller Abgaben anerkennen.
  7. Vogt Harter stellt für die suspendierte Zeit keine Nachforderungen.
  8. Er zahlt aus eigener Tasche 100 fl.
  9. Das Umgeld bleibt erhalten bis zur Tilgung der öffentlichen Schulden. Danach soll entschieden werden, ob es wieder abgeschafft oder beibehalten wird.
  10. Die Verwaltung des Tales soll gemäß den Privilegien und den Bestimmungen des Schiedsbriefs von 1723 erfolgen (Hier wurden schon eindeutige Regelungen zur Besteuerung und vor allem der finanziellen Verwaltung erlassen. Die Wiederholung der damaligen Verhandlungsergebnisse zeigt nur, daß Verstöße nicht einmalig blieben).
  11. Der Junge Rat und der Bürgerausschuß sind bei Schatzungs- Rechnungs- und extraordinari Umlagen zu hören bzw. haben Anwesenheitsrecht.
  12. Verwandte zweiten Grades dürfen nicht gleichzeitig im Rat sein. (Blutsverwandtschaft und Schwägerschaft)
  13. Junger Rat und Bürgerausschuß werden bei Prozessen nur noch auf Verlangen der beiden Parteien hinzugezogen, um die Verfahren abzukürzen. An diesen Wunsch sind Vogt und Zwölfer gebunden.
  14. In besonders schwierigen und wichtigen Fällen wird auf Kosten der Parteien ein Konsulent hinzugezogen.
  15. Die Nachwahl für den Bürgerausschuß geschieht mehrheitlich durch Vogt und Alten Rat. Bei schwerwiegenden Einwendungen existiert ein Vetorecht.
  16. Der Bürgerausschuß soll aus vier Personen bestehen, insgesamt also die 12 des Alten Rats, die 8 des Jungen Rats und die 4 aus der Bürgerschaft (Gericht der 24 Mann). Wenn die Ratsgremien nicht vollzählig sind, sollen doch nicht mehr
  17. als vier Mann aus der Bürgerschaft gezogen werden.
  18. über Frevel- und Hintersaßgelder sowie andere öffentliche Gelder wird eine Verrechnung nach Einnahmen und Ausgaben geführt, die in Gegenwart des Konsulenten abgehört wird. Für das Frevelkästle werden zwei Schlüssel angefertigt, so daß ein alleiniges öffnen nicht möglich ist.
  19. Für das Archiv werden zwei Schlüssel angefertigt.
  20. Passiv Capitalien werden künftig gesondert aufgeführt, jährlich vorgelesen und können jederzeit vom Jungen Rat eingesehen werden.
  21. Die Art der Ausgaben soll in Urkunden deutlicher vermerkt werden.
  22. Die Gemeinde bezahlt einen Anteil von 400 fl an den Prozeßkosten, da auch öffentliche Belange berührt waren.
  23. Bei strittigen Auffassungen über diese Punkte soll ein Konsulent gehört werden.

Krantz/a1


[SH960], S. 43 -44: Auch vom Todesfall eines Reichsvogts war das Kloster unmittelbar zu unterrichten, damit bei etwaigem Verzug "die Justiz nicht Schaden leide und Verzögerung erfahre, denn das Kloster konnte recht massiv darauf hinwirken, daß die beiden Kandidaten des Reichsamts bald von Volk und Zwölfern benannt wurden. Wenn der Satz "Volkes Stimme ist Gottes Stimme" nur in etwa Geltung haben sollte, so ganz bestimmt im Harmersbach. Denn Reichsvogt ist eigentlich nur ein rechter Staatskerl geworden, wie jener wortgewaltige und dennoch kindlich fromme und schlichte Hofbauer Michael Kranz der ältere, der es gewohnt war, mit den stolzen Offizieren der sonst so unzugänglichen Armeen, die sich schon gar nicht mit einem Bauern abgaben auch nicht mit einem Reichsbauern, recht nachdrücklich zu verhandeln. Michael Kranz hat schon in den letzten zwei Jahren des Schwedenkriegs regiert, und sein Sohn, Michael Kranz, der Jüngere, anno 1694 Reichsvogt geworden, hat die Zeiten der endgültigen Auseinandersetzung mit der Reichsstadt Zell und die de jure Anerkennung der völligen Selbständigkeit des Reichstals noch erlebt. Er war, wie es für das Tal in jener kritischen Zeit wohl auch am Förderlichsten war, ein streitbarer und tapferer Herr, der nicht nachgab, mochte sein Gegenpart ein grimmiger Soldat oder gar ein Kommissär des Kaisers und Talherrn sein. Es ist, um auf jene Ereignisse des Sezessionsstreits mit Zell vorzugreifen, von ihm das Husarenstück noch in aller Munde, das er geliefert hat, als des Kaisers Kommissär Geheimer Rat v. Fleinsberg ihn auf das Rathaus in Zell vorlud, um sich auf die Zeller Klagen zu verantworten. Der Vogt hat es damals nicht eilig mit dem Kommen gehabt. Erst als er zum drittenmal vor den Abgesandten des Kaisers geladen war, mit Vermahnungen ernsterer Art und Androhung kaiserlicher Ungnade, ist er in Zeller Städtle hineingaloppiert, so stürmisch, daß kein Stadtsoldat ihn hätte halten können. Vor dem Rathaus angekommen trug er noch immer auf seinem schäumenden Roß sitzend, dem Ratsdiener auf, er möge des Kaisers Kommissär ans Fenster rufen, und als der Herr alsdann mit ungnädiger Miene und gepuderter Perücke auch wirklich von oben auf die Gasse hinab sah, dröhnte ihm des Reichsvogts Zornruf entgegen: "Hier bin ich, der Michel Kranz, Reichsvogt im Harmersbach, Herr über Leben und Tod, und wenn Ihr mit uns sprechen wollt, so kommt hinauf zu uns, ich verklag Euch sonst bei des Kaisers Majestät, denn wir sind freie Leute und stehen nicht unter den Zellern." Und gleichwie der Vater Michael Kranz ein Hort seiner Talschaft in guten und bösen Zeiten war und die Kriegsläufte keinen gewiegteren und erfolgreicheren Unterhändler hätten finden können, so war auch der Sohn Michel Kranz in allen Sätteln gerecht, recht rauhbauzig nach oben hin und ein guter Vater seiner Talleute. Als er am 16. September 1721 gestorben war, trug der Harmersbacher Pfarrer, der Gengenbacher Benediktinermönch ägid Pistori, ins Totenbuch des Tals das lobende Zeugnis ein, daß der Reichsvogt ein guter Sachwalter der Talschaft gewesen sei, daß er sie während vieler Kriegszeiten und Rechtskämpfe "aufs lobwürdigste regiert und wie ein christlicher Held gelitten habe und gestorben sei, so schrecklich auch die Todesschmerzen ihn geplagt hätten.


Lemp/v4


[KK898]: Die Lempe sind ein altes Geschlecht der Stadt Wolfach, wo zuerst Conrad 1347 als Bürger und Richter vorkommt. Der "erbare fromme" Henni Lemp, Bürger in Wolfach, empfing 1397.30.03. nebst seinen drei Söhnen Heinrich, Jacob und Claus von den Grafen von Fürstenberg Güter in der Wolfach als Mannlehen und ebenso wurden nach dem Tode ihres Vaters diese drei Brüder 1419.16.10. belehnt. Cunz Lemp, Bürger in Wolfach, und seine Gattin Richentz verkauften 1406.05.02. ein Lehengut an der Kinzig. Heinrich und seine Gattin Margaretha Franz 1428. Dietrich 1436. Claus, Sohn des + Bechtold, 1441, 1442. Erhard kaufte von Alber von Gippichen dessen frei eignes Thal, den Gypchen, ausgenommen das Schloß, 1453.06.12. mit Wiederkaufsrecht und wurde von den Grafen von Fürstenberg 1454 belehnt, 1465. Gerhard Muenzervon Sinkingen verkaufte 1462.28.03. dem erbar bescheidnen Jörg Lempen, Bürger in Wolfach, seinem Vetter, und dessen Schwager Hans Drechsel von Buchdorff, Bürger in Haslach, Güter in Zimbach. Heinrich 1466 belehnt, 1479. Erhard und Heinrich Lemp und Adam Behem, Vettern, Bürger in Wolfach, stifteten 1460 eine Meßpfründe daselbst. Georg, Rathsfreund in Wolfach, 1479 wegen einer Gülte, welche auf die an die Brüder Jerg und Bechtold die Lempen verpfändete Burgmatte in Gippichen geschlagen wurde; Jörg siegelte 1490. Bechtold 1482 wegen des Burglehens Gippichen, 1492, todt 1497; uxor: ......Tochter des Konrad Kaelblin; seine Söhne Erhard und Heinrich wurden 1497.30.01. bez. 1501.26.08. für sich und ihre Geschwister von den Grafen von Fürstenberg mit Matten in Haslach belehnt.
Berchtold Lemp, Gräflich Helfenstein. Rath und Landschreiber in Me&irch, führte im Schilde einen schreitenden Stier und auf dem Stechhelme denselben wachsend. Margaretha; mar.: Johann Rupprecht Lipp, seit 1602 Landschreiber in Wolfach; sein Bruder Franz Lipp, 1636 bis 1649 Landschreiber zu Haslach, 1649-1651 zu Stuhlingen, seit 1651 Syndicus in Villingen; uxor: Maria Catharina Lempin von Wolfach. Johann Wratislaus Lemp, seit dem Ostertage 1646 Gräflich Fürstenb. Secretär und Registrator, 1658.01.05. Obervogt zu Neuffra, Amtmann der Abtei Petershausen, 1668.03.02. Verwalter des Fürstenbergischen Kastens in Ueberlirgen, wurde als Reichs- Prälatisch Petershausenscher Rath und Oberamtmann zu Ueberlingen wegen seiner Verdienste in den Conventen des Schwab. Kreises vom Kaiser Leopold Id. d. Wien 1693.16.12. unter Vermehrung seines vorbeschriebenen Wappens mit dem Prädikate "von Lempenbach und der Berechtigung zu Lehen und sich nach den erworbenen Gütern nennen zu dürfen in den rittermäßigen Adelstand fur Reich und Erblande erhoben. Kinder: a) Franz Conrad, Oberamtmann in Hüfingen 1682, in Meßkirch 1683, 1700, Obewogt in Neuffra und Syndicus des Grafen- Collegii in Schwaben 1688, Kanzleidirector in Meßirch 1692, zeichnete sich im Französischen Kriege als Deputirter aus, + 1706; er heirathete 1683 Anna Maria Bodant. b) Eine Tochter; mar.: Franz Joseph von Reitlinger, Fürstlich Fürstenberg. Kammerrath, Verwalter der oberen Herrschaft Höwen, auch der Abtei Petershausen Rath und Oberamtmann zu Ueberlingen 1699. C) Anna Maria, ledig 1693, 1694, Gattin des Johann Erasmus Schultheiß von Sinneringen 1700. d) Ein Sohn; dessen Sohn: Joseph Anton von Lempenbach, Praktikant in Heiligenberg 171 1, Rath und Oberamtssecretairdaselbst 1724, dimittirt 1725, wurde Rath in Ueberlingen; uxor: eine Tochterdes Dr. Buchen. Joseph Wilhelm Frobenius Lemp, fabricae praefectus, 1690 und Frau Magdalena von Lempenbach 1695, 1700 Pathen in Ueberlingen. Dem Joseph Wratislaus Lemp wurden daselbst die von seiner Gattin Maria Anna Rorerin geborenen Kindern getauft: Anna Maria 1691.10.05., Maria Theresia 1692.06.1 1 ., Franz Joseph 1695.23.01 .,später Mönch in Salem, Joseph Matthäus 1697.05.02., Joseph Ferdinand 1699.1 5.10. und Johann Joseph Erasmus 1703.18.07. Anton Wunibald von Lempenbach, Fürstlich Fürstenberg-Heiligenberg.Hofrath 1700, resignirte 1714. Kanzler 1737, Geh. Rath und Kanzler in Donaueschingen, wo er 1743 starb; uxores: 1) Maria Anna Kolbin, 1700; 11) Maria Ursula Precht von Hohenwart, 1703, + Breithingen 1751. Kinder: 01. Ehe: Carl Joseph, bapt. Ueberlingen 1700.26.04. 11. Ehe: Maria Francisca Catharina, bapt. Ueberlingen 1703.22.05.; ein Sohn, 1751 Pfarrer in Breithingen; Anton Willibald Ferdinand, Praktikant 1737, Obewogt in Stühlingen 1741, Hof- und Regierungsrath in Donaueschingen 1744, Geheimer Rath 1758, Geh. Rath und Landvogt in Heiligenberg 1762. Geh. Rath und Kanzler in St. Blasien 1765, 1782, starb als jubilirter Pensionär in Biberach 1796.20.08. Barbara Magdalena von Lempenbach, Gattin des FranzCarl Joseph von Beckh 1743, 1753 und Anna Sophia V. L., Gattin des Johann Victor Amadeus Dornbluth, archipraefectus in Loefirgen 1746, 1747. Maria Anna Raßlerin geb. V. L. ist 1723 Pathin in Heiligenberg. Maria Anna V. L. vermählt zu Heiligenberg 1764.04.12. mit Fidel von Pflummern, Ritterschaftlichem Rathe in Ehingen. Wappen (1693.16.12.): geviert: I und 4 in S. auf gr. Dreiberge einwärts schreitend ein r. Ochse (Stammwappen); 2 und 3 in R. fünf s. Schrägrechts- bez. Schräglinksbalken; aufdem gekr. Turnierhelme zwischen zwei r. s. übereck getheilten Büffelhörnern der r. Ochse wachsend; Hd.: r. s. Meister Jacob Lemp. der geistlichen Rechte und der heiligen Schrift Doctor, Rector der Universität Tuebingen 151 1, führte im getheilten Schilde oben einen Stern, unten drei aufwärts geflammte Spitzen; auf dem Schilde ein ruhendes Lamm. Andreas Lemp 1723, Johannes 1781, 1787 Ammeister in Straßburg.


Rank


Rank/e1: [EE951], S. 260-261:

Ein Lagerbuch von 1757 sagt, daß der Goldene Löwen die Wirtschaftsgerechtigkeit seit vielen Jahrhunderten besitze, er muß demnach zu den ältesten Wirtshäusern gehören. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist Georg Eisele als Löwenwirt nachgewiesen. Im Jahre 1709 bezahlte er der Herrschaft das Umgeld mit 15 Gulden, er muß demnach einen großen Umsatz erzielt haben. Seit 1735 war Josef Rank, der Sohn des Lammwirts Rank, Wirt zum goldenen Löwen und betrieb darauf eine Metzgerei und einen Kramladen. Das Geschäft ging dann auf den Sohn Andreas über. Er verkaufte es im Oktober 1787 an Wilhelm Balluff für 700 Gulden.
Zu den älteren Wirtschaften zählt auch der Adler. Vor 250 Jahren besaß ihn Josef Eisele, dem auch der Hirsch gehörte. Seine Tochter Juliane heiratete 1735 den Bauern Kornel Rank, den Bruder des Lammwirts und Schultheißen Georg Rank, und brachte ihm die Wirtschaft in die Ehe. Er übergab sie im Jahre 1770 dem Sohn Josef Rank. Nach seinem Tode erhielt sie der Sohn Johannes Rank. Dessen Tochter Juliane heiratete 1829 den Bauern Nicephorus Bundschu. Als sich der Sohn Adolf Bundschu 1857 mit der Tochter des Ochsenwirts Bayer verheiratete, erhielt er die Adlerwirtschaft. Die Erben verkauften das Geschäft 1887 an Ernst Rank für 18 500 Mark. Von ihm erwarb es der Metzger Peter Hagenmayer. Der gegenwärtige Besitzer, Metzger Anton Mayer, kaufte den Adler 1908 für 27 000 Mark und baute ihn in den 20er Jahren um. Die Wirtschaft zum Lamm war ein Vierteljahrtausend im Besitze eines Zweiges der Sippe Rank.

Georg Rank, der von 1750-82 Schultheiß war, übergab das Lamm 1780 seinem Sohn Johannes Rank. Es ging später an den Enkel Johann Georg Rank über. Er verkaufte es 1856 mit der Brauerei ...


Rank/e2: [EE951], S. 100-104:

In alter Zeit ernannte die Herrschaft den Schultheiß. Weil aber das Rittergut unter zwei Herren aufgeteilt war und doch nur ein einziges Gericht mit einem gemeinsamen Schultheiß bestehen sollte, zeigten sich fast bei jeder Ernennung Schwierigkeiten. Hans und Gregor von Neuhausen vereinbarten deshalb 1510 folgendes Verfahren: "Die 12 Richter des einen Vogtherren und 12 seiner Gemeinsmänner wählen aus seinen Untertanen zwei taugliche Männer aus. Dann soll der Vogtherr einen davon erkiesen und zum Schultheißen bestellen. Wenn der abgeht, soll dem andern dasselbe Recht zustehen, und so immer für und für." Doch war dieser Vertrag bald wieder vergessen. Wir wissen nicht, welches Verfahren dann üblich war.
Wenn wir jetzt die lange Reihe der Ortsschultheißen an unserem Blick vorüberziehen lassen, begegnen uns ehrenwerte Männer aus alten, zum Teil ausgestorbenen Bauerngeschlechtern. Klaus Henslin, der älteste unter ihnen, ist im Jahre 1480 zum letztenmal genannt. Jakob Keller übernahm den Dienst um 1510 und war 1518 Zeuge, als die Gemeinde die Wiesenbewässerung neu einteilte. Hans Rank ist 1528 zum erstenmal erwähnt, eine Urkunde über die hintere Mühle von 1529 nennt ihn zusammen mit den Richtern Hans Distel, Werner Fischer und Jerg Eisele. Ob der Bauer Jerg Ruf sein unmittelbarer Nachfolger war, ist ungewiß. Bartlin Mayer war 1559 Zeuge, als das Kloster Denkendorf seine hiesigen Einkünfte neu beschrieben hat. Jakob Keller, vermutlich ein Sohn des früheren Schultheißen Keller, ist in den Jahren 1563 bis 1574 als Ortsvorsteher nachgewiesen. Ihm folgte Michael Mayer, er ist 1575 in einem Verzeichnis des Kirchheimer Frauenklosters erwähnt. Der Nachfolger Kaspar Bolz war von etwa 1590 bis um die Jahrhundertwende Schultheiß. Er starb als Altschultheiß am 19. November 1610 an der Pest.
Hans Walter, der ein Fallgut von 75 Morgen bewirtschaftete, ist 1614 zum letztenmal als Schultheiß erwähnt. In diesem Jahre ernannte die Herrschaft den Lammwirt Hans Rank zum Nachfolger. Er war mehrere Jahre im Dienst, stürzte am 09. April 1631 bei einem Rechtstag die Rathaustreppe hinunter und starb an den Verletzungen. Am 15. April 1636 schloß der "ehrenhafte Mann und Schultheiß" Georg Haisch (1623-37) eine zweite Ehe und starb im folgenden Jahr. Der Kleinbauer und Schmied Georg Ruf, mit dem Beinamen Schmiedjergle, gab den Dienst nach zwei Jahren zurück. Konrad Walter (1639-64) stand ein Vierteljahrhundert im Dienste seiner Heimatgemeinde und hat sich in den Stürmen der Rebellion bewährt. Um dem Frieden zu dienen, verzichtete er dann auf das Amt. Sein Nachfolger Hans Haisch, der Sohn des früheren Schultheißen Haisch, spielte in der Rebellion neben Hans Bayer eine führende Rolle. Er starb am 20. Dezember 1695 und stiftete kurz zuvor einen Jahrtag in die Liebfrauenkapelle. Johannes Walter (1681-89), der Sohn Konrads, starb nach "achtjährigen treuen Diensten" am 02. September 1689. Der Nachfolger war Bläsin Kull (1689-07).
Georg Rank (1707-24) war der Enkel des früheren Schultheißen Rank und zugleich Besitzer der Lammwirtschaft. Nach Kulls Tod ernannte ihn Joachim Ignatius von Rotenhan. Kurze Zeit darauf heiratete Rank die Witwe seines Vorgängers, die Neuhäusische Untertanin Anna Keller. Rotenhan wollte ihn jetzt als seinen Schultheißen nicht mehr gelten lassen, weil er "durch seine Heirat unter die Neuhäusischen Untertanen getreten war." Es entstand ein langwieriger Streit zwischen beiden Herren. Doch zeigte sich Karl Josef von Neuhausen verständnisbereit und anerkannte Rank als Neuhäusischen Schultheiß an, so daß Rotenhan das nächstemal wieder an der Reihe war. Nach einem Bericht aus späterer Zeit soll er dann den Untertanen erlaubt haben, selbst den Nachfolger zu wählen. Dies war Michael Raisch (1724-28). Er bezog wie sein Vorgänger eine herrschaftliche Besoldung von zwei Klafter Holz. "Wegen verschiedener Klagen der Bürger" setzte ihn Rotenhan nach kurzer Zeit ab. Den Nachfolger Georg Kail (1728-31) wählten angeblich 12 Richter und 12 Gemeinsmänner. Nach drei Jahren trat Kail freiwillig zurück und starb kurze Zeit später. Ihm folgte der Löwenwirt Josef Rank (1731- 50), ein Enkel von Georg Rank. Die Bevölkerung hat es nicht gerne gesehen, daß die Herrschaft einen Wirt zum Schultheißen ernannte.
Nachfolger war Ranks jüngerer Bruder, der Lammwirt Georg Rank (1750-82). Er war wohl die eigenartigste und eigenwilligste Persönlichkeit in der Reihe der Schultheißen und verdient es, daß wir seine Dienstführung eingehend beschreiben. Rank weigerte sich zunächst den Dienst anzunehmen und sagte erst zu, nachdem ihm der Vogt eine Strafe von 20 Pfund Heller angedroht hatte. Der Vogt hätte dies vielleicht besser unterlassen, denn er lebte mit Rank mehr als 30 Jahre in beständigem Hader und Streit. Schon nach wenigen Jahren hatte Rank einen Zusammenstoß mit dem aus Savoyen eingewanderten Händler Johann Mennet, der die äußerung tat, er frage "nach dem Schultheiß so wenig wie nach dem vorjährigen Schnee, weil er kein braver Mann sei." Das Gericht bestrafte Mennet mit 3 Gulden 15 Kreuzer, erteilte aber auch Rank eine Rüge. "Dem Schultheißen, weilen derselbe das Maul nicht gespart und wider welchen schon mehrmalen geklagt worden, daß er gegen die Untertanen grob und hochfahrend sei und auch sonst in Gemeindesachen seinem Kopf allein folge, wurde dergleichen Verfahren nachdrücklich verwiesen und ihm ernstlich bedeutet, sich dessen fürohin zu enthalten und mehreren Glimpf und Bescheidenheit zu gebrauchen." Zwei Jahre später hielt der Vogt einen allgemeinen Durchgang, wobei jeder Bürger vortragen konnte, was ihm am Herzen lag. Dabei ging ein wahrer Hagel von Vorwürfen auf Rank nieder. Vor allem rügten die Bürger, daß der Schultheiß zugleich Wirt sei, und behaupteten, er nütze seine Stellung zugunsten seiner Wirtschaft aus. Der Richter Josef Mayer sagte: "Es ist nicht gut, wenn der Schultheiß zugleich Wirt ist, denn solches gibt Gelegenheit, daß im Flecken viel getrunken wird." Peter Balluff meinte: "Wer bei Rank ißt und trinkt, kann tun was er will." Der herrschaftliche Bierwirt beschwerte sich darüber, daß Rank "alle Hochzeiten und Weinkäufe an sich ziehe und andere Wirte daneben nicht bestehen könnten." Nach dem Durchgang mußte Rank in Gegenwart sämtlicher Richter eine schwere Rüge einstecken: "Was wider den Schultheiß angebracht worden, soll demselben nachdrücklich und ernstlich verwiesen werden mit dem Bedeuten, daß höheren Orts berichtet werde, sofern er hiezu noch-einmal Anlaß geben sollte."
Kurze Zeit später lagen der Vogt und Schultheiß schon wieder im Streit. Am 03. März 1758 hatte Rank einen Viehkauf amtlich bestätigt oder eine "Viehkundschaft" ausgestellt. Der Vogt rügte dies und sagte: "Das ist eine Amtsanmaßung." Der Schultheiß entgegnete: "Ich will mir das Recht zur Ausfertigung von Urkunden ausbedungen haben und lasse mir die Rechte der Gemeinde nicht nehmen." Darauf der Vogt: "Man lebt in Neuhausen nur nach herrschaftlichen Befehlen, die Ausstellung von Urkunden gehört zur Vogtei. Wenn Ihr wieder Urkunden ausstellt, werdet Ihr bestraft." Der Schultheiß war erregt: "Herr Vogt, zeigt mir den herrschaftlichen Befehl, der dem Schultheiß verbietet, Urkunden auszustellen!" Der Vogt erwiderte gelassen, er habe sich dem Schultheiß gegenüber nicht zu rechtfertigen, und drohte ihm eine Strafe von 20 Pfund an. Rank war maßlos empört und schrie laut: "Ich protestiere, ich protestiere wider ein solches Verfahren im Namen der ganzen Gemeinde!" Der Vogt gab zurück: "Ich nehme von einem Bauern-schulzen keinen Einspruch an." Aber Rank behielt das letzte Wort: "Haben denn in Neuhausen nur der Vogt und Aktuar zu befehlen? Nein, ich habe über die dem Flecken zustehenden Rechte zu wachen und den Eid darüber getan. Man hat mir bei der Amtseinsetzung versprochen, es beim alten Recht und Herkommen zu lassen. Wenn ich mich der Fleckenrechte begebe, so lade ich mir den Fluch der Nachkommenschaft auf den Hals." Das war tapfer gesprochen, nur war Rank nach dem überlieferten Herkommen im Unrecht.
Eine Zeitlang war dannFriede zwischen Vogt und Schultheiß, bis im Sommer 1771 bei der Regierung in Bruchsal ein Brief ohne Unterschrift einging, der Rank schwer verdächtigte. "Die höchste Gnade, so beginnt der Brief, daß der Ort Neuhausen unter die preiswürdige Regierung Euer Durchlaucht geraten, haben wir der göttlichen Vorsehung allein zu danken. Und es ist unwidersprechlich, daß Höchstdieselbe preiswürdigste Gerechtigkeitsliebe den im Schlamm des Verderbens liegenden Ort Neuhausen empor und in Flor gebracht hat. Neuhausen ist leider durch die bisherige Herrschaft und Ortsvorsteher ziemlich weit zurückgekommen und könnte durch Euer Durchlaucht Höchst gnädiger Gegenwart in den blühendsten Stand gebracht werden. Ganz ordnungswidrig ist, daß ein Wirt Vorsteher und Schultheiß sein soll. Der Schultheiß Jerg Rank ist zugleich Lammwirt, wodurch nicht nur die anderen Wirte verderbt, sondern überhaupt viel Unheil entsteht. Witwen und Waisen werden in möglichen Fällen vervorteilt und zu unhäuslichem Leben veranlaßt. Dann neben den beiden Verrichtungen als Wirt und Schultheiß hat Rank herrschaftliche Güter. Und wann jemand in dessen Haus kommt, so muß er, wenn der gute Wille erhalten werden soll, essen und trinken, woraus nichts als Verderben entspringt. Euer Durchlaucht erkühnen wir also untertänigst zu bitten, Höchstdurchlaucht sich unserer notleidenden Gemeinde zu erbarmen und durch Höchstdero gnädige Gegenwart mittels haltenden Durchgang der Inwohnerschaft diesen und anderen Unordnungen und Ubelständen gnädigst Einhalt zu tun. Wie dann alles ordnungswidrig zugehet, erhellet daraus, daß Neuhausen durch Ein-schleichung auswärtiger Leute zu Bürgern ganz ruinieret wird. Euer Durchlaucht Gerechtigkeitsliebe lasset uns eine gnädige Erhörung und Gewährung untertänigst hoffen. Und wir haben die Gnad, in tiefster Ehrfurcht zu ersterben Euer Gerechtigkeit. Den 16. Juni 1771." Der Brief war ein übles Bubenstück, doch man zog den Buben auf seltsame Weise an die Öffentlichkeit.
Ende Juni erhielt der Schultheiß von seinem Sohn Franz Rank, Kreuzwirt in Oeffingen, einen Brief. Vier Neuhäuser, so berichtet Franz, seien vor einiger Zeit mit einem ausgedienten Soldaten namens Werner in Stuttgart zusammengekommen, um ihn für ihre Pläne zu gewinnen. Sie erzählten dem mehrfach vorbestraften Soldaten, der die Rolle eines Winkeladvokaten spielte, daß der Schultheiß Rank von Neuhausen ein Spitzbub sei, eine Witwe um 150 Gulden betrog, einen Ehebruch begangen und von Bürgern Schmiergelder angenommen habe. Sie baten Werner, nach Bruchsal zu reisen und dort eine Untersuchung gegen Rank zu veranlassen. Der Gauner, der sich einen Vorschuß von 40 Dukaten geben ließ, täuschte seine Auftraggeber und ging einige Tage nachOeffingen, wo er dem Kreuzwirt Rank alles haarklein erzählte und eine hohe Belohnung erhielt. Als Schultheiß Rank den Brief seines Sohnes gelesen hatte, ging er unverzüglich zum Vogt und veran-laßte ein gerichtliches Verfahren. Es vergingen aber noch mehrere Wochen bis das Gericht zusammentrat. Der eigentliche "Angeber" Josef M. leugnete zuerst, gestand aber schließlich, daß der Stuttgarter Anwalt Roth in seinem Auftrag den Brief nach Bruchsal geschrieben habe. Er gab auch zu, daß er zuerst mit Werner in Verbindung gestanden sei. Als ältester Richter, so rechtfertigte er sich, habe er sich verpflichtet gefühlt, die Schäden in Neuhausen aufzudecken. Am 27. Juli erging das Urteil. Josef M. erhielt eine Strafe von 20 Pfund Heller, weil er den Schultheiß eines Ehebruchs verdächtigt und behauptet hatte, er betrüge Witwen und Waisen. Eine zusätzliche Strafe von 10 Pfund Heller kam dazu, "weil er im Namen der ganzen Gemeinde geschrieben hatte, wo er nicht berechtigt war." Weil er zuerst geleugnet hatte, bestrafte ihn das Gericht um einen Frevel von 3 Gulden 15 Kreuzer und bürdete ihm die Gerichtskosten auf. Vor dem Gericht mußte Josef M. Öffentlich Abbitte leisten und dann ausscheiden.
Georg Rank blieb weitere zehn Jahre im Dienst, obgleich sich die Klagen gegen ihn häuften. Im Jahre 1781 forderten die Bürger, daß ihn die Herrschaft absetze, weil er das Amt "ohnvermögenheitshalber nicht mehr versehen könne." Der Vogt berichtete nach Bruchsal und erhielt den Befehl, "einen neuen Schultheiß vorzuschlagen mit Ausnahme der Wirte." Rank war darüber aufgebracht und sagte zum Vogt, es seien noch ältere Schultheiße als er im Dienst. "Ich werde mich in einer Bittschrift an die Regierung wenden und gebe mich der tröstlichen Hoffnung hin, daß sie mich die wenigen Lebenstage noch im Amt lassen wird." Doch die Regierung hörte nicht darauf. Georg Rank schied im Frühjahr 1782 aus und starb ein Jahr später. Sein Aufwand an Kraft wäre einer besseren Sache würdig gewesen.
Nachdem Rank abgetreten war, ordnete die Regierung an, daß der Nachfolger durch die ganze Gemeinde zu wählen sei. Die Wahl begann am 14. August, morgens 7 Uhr. Sämtliche Wähler, 20 Richter und 184 Bürger, gaben "laut und vernehmlich an, wen sie zum Schultheißen wählen wollten." Als der Aktuar einen schwerhörigen Mann nach seiner Meinung fragte, stotterte er heraus: "Wen Ihr wollt." Ein anderer verzichtete auf das Wahlrecht, indem er sagte, er könne sich keinen hiesigen Bürger als Schultheiß vorstellen. In wenigen Stunden war die Wahl beendet. Von 203 abgegebenen Stimmen fielen 70 auf den im 35. Lebensjahr stehenden Bauern Johannes Kurfeß (1782-97). Am 09. Februar 1784 bestätigte der Fürstbischof die Wahl und sicherte Kurfeß die bisherige Holzbesoldung zu. Von der Gemeinde erhielt er eine Entlohnung von 20 Gulden. Wie sein Vorgänger hatte auch er gegen den Unverstand der Mitbürger zu kämpfen, doch war er ruhiger im Urteil und wollte nicht unbedingt das letzte Wort haben.
Im Sommer 1797 bat Kurfeß die Herrschaft, ihn aus dem Dienst zu entlassen. Sie willigte ein, bestellte den Richter Hans Jerg Raisch "zum Amtsverweser und ordnete folgendes Wahl verfahren an: Jeder Bürger darf drei Bewerber "seines Gefallens vorschlagen, wobei alle Freundschaft und Feindschaft beiseite gesetzt werden soll." An der Wahl am 30. Juli nahmen 21 Richter und 286 Gemeinsmänner teil. Die besten Ergebnisse erzielten Konrad Bayer mit 117, Hans Jerg Raisch mit 94 und Josef Rank mit 84 Stimmen. Am 02. November bestätigte die Regierung den neuen Ortsschultheiß Konrad Bayer (1797-1813). Die Amtseinsetzung war im Februar des nächsten Jahres. Als der Vogt der versammelten Bürgerschaft den neuen Schultheiß vorstellte und verlangte, daß ihm jeder die Hand reiche, riefen sie einstimmig: "Das ist eine Neuerung!" und weigerten sich, den Befehl auszuführen. Kreuzwirt Bayer hat seine Pflichten als Ortsvorsteher gewissenhaft erfüllt und den Dank des Fürstbischofs verdient. Er war der letzte Schultheiß der alten Zeit und der erste unter württembergischer Oberhoheit. Am 16. April 1813 starb er im 54. Lebensjahr.


Schwarz/e1


[LK989], S. 152 - 155: Der Vogt war höchster Repräsentant und oberster Gerichtsherr des Tales. Seine herausragende Stellung zeigte sich in der Übernahme des Stabes, die ihm den Vorsitz im Rat und bei Gericht verlieh. Als weiteres äußeres Zeichen seiner Macht hielt er das große Insiegel in Verwahrung, mit dem er unter Verträge und Urteile das Hoheitszeichen des Harmersbachtals in Siegellack verewigte. Von nicht minderer Bedeutung war der Archivschlüssel. Diese Befugnisse standen ihm aber endgültig erst nach dem Verlust der Machtstellung der Pfandherren im Tal zu. Zur Zeit der Verpfändung war der Vogt nur "Statthalter" der Bocks und deren Nachfolger; er war verpflichtet, einmal im Jahr zu deren Sitz zu reisen und die Ablieferung der Abgaben zu garantieren bzw. zu überbringen.
Daß er in erster Linie die Interessen des Tales mit Worthen und Werckhen zu verfechten hatte, ergibt sich aus dem Amtseid, den er bei der Einführung schwören mußte. Daneben war es eine seiner Hauptaufgaben, auch die Gerechtsame des Klosters zu schützen, wobei natürlich Konflikte nicht auszuschließen waren.
Der Vogt sollte als Vorbild einen entsprechenden Lebenswandel zeigen. Er sollte sich des Charten und Kegelspihls mit verächtlichen leuthen enthalten. Daß der eine oder andere Vogt gegen menschliche Schwächen nicht gefeit war, zeigte sich daran, daß der Rat wegen Beleidigung oder übler Nachrede auch gegen den Taloberen Strafen verhängte. Nur selten gab es aber Anlaß, Vögte zeitweise zu suspendieren oder ihnen den Rücktritt nahezulegen. Die wiederholten Ratsbeschlüsse zum Einzug der Frevelgelder, der genauen Buchführung darüber und der Anfertigung von zwei Schlüsseln für das "Frevelkästle" belegen allerdings, daß auch bei hohen Amtspersonen die Gefahr der persönlichen Bereicherung oder der Willkür keineswegs ausgeschlossen war.
Der Vogt genoß etliche Vergünstigungen. Sein Gut war schatzungsfrei, er mußte keinen Frondienst leisten und keine Einquartierungen dulden. Die Reichssteuer hatte er wie andere Bürger zu bezahlen, hingegen war er von Schätzungen (die örtliche Steuererhebung) freigestellt. Dazu kamen als Bezahlung 30 fl, Sitzungs- bzw. Tagegeld und bei Sonderaufgaben spezielle Kostenerstattungen.
Nicht immer hatte der Abt bei der Setzung des Vogtes eine glückliche Hand. Besonders kraß zeigte sich dies bei dem Untertäler Johann Schwarz, der am 03. 12. 1680 in Amt und Würden kam und keinesfalls den Vorstellungen, die man von einem Vogt hatte, entsprach. Schon drei Jahre später kam es zu einem Streit mit zwei Ratsherren, die sich üble Beschimpfungen gefallen lassen mußten. Der Vogt soll den Kläger hexen kuh wanst geheißen haben; außerdem sei er ein Schelm und Dieb im Bett und wenn er aufstehe, sei er es auch. Immer deutlicher zeigte sich, daß der Vogt mit Schelten und Schmähen, Werfen und Schlagen den Stab in vielem weege mißbraucht.
In der Tat hatte Schwarz einiges auf dem Kerbholz. Eigenmächtig kündigte er mißliebigen Leuten das Bürgerrecht auf. Mehrmals war er in handfeste Schlägereien verwickelt. Einen 76jährigen stieß er so brutal zu Boden, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden mußte. Dem Gerichtsmann Hans Bruder warf er mit einer halben Maaßkant ein großes Loch in die Stirn, den Ratskollegen Jonas Schüllin zog er an den Haaren in der kleinen Ratsstube herum.
Oftmals stieß er in Wirtshäusern Spottreden gegen Mitbürger aus, was ihm nicht unerhebliche Geldstrafen einbrachte. Trotz der Androhung, daß er bei erneuten Verfehlungen abgesetzt werde, führten sein Jähzorn und sein Hang zum Alkohol zu weiteren Handgreiflichkeiten, bei denen auch sein Sohn mitmischte. Die Drohung gegen einen Mitbürger, wenn er einen Säbel gehabt hätte, so wollte er ihm den Schedel gar voneinander hauen, zeigten seine Unbeherrschtheit. Den Dorfpfarrer und den Abt ließ er im Rausch wissen, daß er sich nichts um pfoffen oder prelaten schere, er habe ihme nichts zu befehlen.
Mit seiner Ausrede nach jeder Verurteilung, er wolle sich bessern, konnte er auf Dauer sein Verhalten nicht entschuldigen. Die Bürgerschaft fürchtete um den guten Ruf des Tals, da leicht der Eindruck erweckt werden könnte, der Vogt sei händelsüchtig, das kaiserliche Recht werde mit Fäusten ausgeteilt, als ob der Stärkste meister were. Sie begehrte auf und verweigerte am Schwörtag 1693 dem rabiaten Vogt in Gebot und Verbot den Gehorsam.
Jetzt lag es beim Abt zu handeln. Er sprach den Harmersbachern das Recht ab, eigenmächtig zu entscheiden, ob sie einen Vogt wollten oder nicht, das läge allein in der Zuständigkeit dessen, der den Vogt auch zu setzen habe. Ganz wohl konnte dem Abt dabei nicht sein, denn er hatte vor Jahren, als die ersten Probleme mit Johann Schwarz offenkundig wurden, das Rücktrittsangebot abgelehnt, weil Schwarz sich in vorigen als jetzigen Kriegszeiten gantz fleißig und ernstlich zum großen Nutzen des thals verhalten habe und dabei manch sauren gang und andere Incommoditäten auf sich habe nehmen müssen.
Abt Placidus entschied sich für eine elegante Lösung. Der Vogt solle noch einige Monate im Amt bleiben und dann freiwillig resignieren. Tatsächlich ließ sich Johann Schwarz dazu überreden. Am 09.03.1694 bot er in Gengenbach dem Amt in Begleitung zweier Ratsherren seinen Rücktritt an. Bis zur Bestimmung seines Nachfolgers im Juni desselben Jahres setzte der Abt Johann Schwarz als Amtsverweser ein. Da mit dem Rücktritt genügsame Satisfaction geleistet war, durfte Schwarz weiter als Gerichtsmann fungieren.


Stetter/e1


[HG992], S. 315: "Über viele Jahrzehnte hinweg war der Chorgesang in Unterboihingen untrennbar mit den örtlichen Lehrern verbunden. Auch seine Gründung erklärt sich nur durch sie, genauer, durch Franz Bruno Stetter, der von 1857 bis zu seinem frühen Tod 1866 in Unterboihingen als Lehrer wirkte. Stetter hatte bereits das (katholische) Lehrerseminar in Schwäbisch Gmünd durchlaufen, wo das Wirken von Karl Pfaff, den konfessionellen Gegensätzen zum Trotz, bereits tiefe Spuren hinterlassen hatte."

[HG992], S. 280 - 282: Unterboihingen besaß eine Schülerzahl, die selten 60 überstieg. Nach damaligen Maßstäben bedeutete dies einen Lehrer, den zu besolden der Gemeinde und dem Stiftungsrat der Kirchengemeinde oblag. Als Schultheiß Simon Baumann 1854 wegen der schlechten finanziellen Verhältnisse der Gemeinde versuchte, ein Schulgeld einzuführen, scheiterte er kläglich. Beide bürgerliche Kollegien (Gemeinderat und Bürgerausschuß) hielten ihm entgegen, daß die meisten der armen Leute Unterboihingens dies ohnehin nicht bezahlen könnten.
Als Nachfolger von Schullehrer Schlichter trat Franz Bruno Stetter ins Amt. Auch seine Verdienst- und Vermögensverhältnisse belegen, daß es das arme Dorfschulmeisterlein in Unterboihingen nie gab. Allerdings bekam der Schulmeister keinen festen Besoldungsbetrag, sein Einkommen setzte sich vielmehr aus breit gefächerten Einkünften zusammen. Von der Gemeinde bezog der Unterboihinger Lehrer folgende Besoldungsteile:
In bar erhielt er 5 Gulden Wartgeld und 96 Gulden Schulgeld. Für die Sonntagsschule, die die nicht mehr Schulpflichtigen bis ins Erwachsenenalter hinein besuchten, bekam er weitere 12 Gulden. Da der Lehrer gleichzeitig das Mesneramt versah, reichte ihm die bürgerliche Gemeinde die sogenannte 'Mesnerlaibe' in Form von 28 Gulden und 36 Kreuzern. In diesem Betrag enthalten waren 5 Gulden für das Warten der Kirchenuhr, l Gulden 18 Kreuzer für das Schmücken der Kirche an Festtagen und 2 Gulden für das Beschaffen der Maienstecken an Fronleichnam. Diese Besorgungen bezeichnete man als den niederen Mesnerdienst, da sie nicht unmittelbar im Zusammenhang mit den Gottesdiensten standen.
1859 schließlich wurde die bürgerliche Geldbesoldung pauschal um den Betrag von 36 Gulden und 43 Kreuzern aufgebessert. Hinzu gerechnet wurde als Fruchtbesoldung ein Scheffel Dinkel im Wert von 4 Gulden, so daß sich die Bareinkünfte des Lehrers insgesamt auf 182 Gulden und 19 Kreuzer beliefen.
Den zweiten Teil der Besoldung bildete der sogenannte Gütergenuß. Das war zunächst der Schulgarten, ein Baumgarten 'bei der Egart in den langen äckern', der 4/8 Morgen 44,5 Ruten umfaßte (ca. 1/4 ha). Weiter konnte er einen Acker von l 3/8 Morgen 35,4 Ruten nutzen, der in der 'oberen Allmand in der Egart' lag. Dritter Güterteil war l und 6/8 Morgen 2 Ruten 'willkürlich gebauter Baumacker in der Egart'; er unterlag also keinem Zelgzwang (Fruchtbewirtschaftungszwang).üblicherweise gab man seinerzeit den jährlichen Ertrag von landwirtschaftlichen Flächen mit 3 % des Kaufpreises an. Da sich der Wert der drei Grundstücke auf l 500 Gulden bemaß, wurde dieser Teil des Lehrereinkommens mit 45 Gulden berechnet. Hinzu kamen noch drei 'Bürgerteile' (Allmandgrundstücke) im Wert von 7 Gulden. Diese 'bürgerliche Beneficien' vervollständigten den Teil, den die Gemeinde dem Lehrer zu reichen hatte, insgesamt also 234 Gulden und 19 Kreuzer.
Für die hier fragliche Zeit waren die Grundstücke lediglich 'Besoldungsroutine', denn sowohl Schullehrer Stetter als auch sein Nachfolger Lorenz Späth waren 'unfleißige Bauern'. Sie gehörten bereits jenen ersten emanzipierten Lehrergenerationen an, die nicht mehr als Provisoren ihren Lehrerberuf im Sinne eines Handwerks vor Ort erlernt hatten. Sie waren bereits Absolventen der Seminarausbildung, die den Bildungsstand der Lehrer ungemein angehoben hatte. Lehrer Stetter konnte sich allerdings noch nicht ganz von den alten Vorbildern lösen. Was für seinen Nachfolger schon gänzlich unmöglich gewesen wäre, traf für ihn noch zu: Er war in zahlreiche Streitigkeiten mit Gemeindegliedern verwickelt, auch wird er uns, wie an anderer Stelle ausgeführt, als gewalttätig geschildert.
Den kleineren Teil der Schullehrereinkünfte leistete die Stiftungspflege zum Heiligen Kolumban, die Kirchengemeinde also:
Er bestand zunächst ebenfalls aus einem ständigen Wartgeld von fünf Gulden. Zu den althergebrachten Pflichten des Lehrers gehörte das Auf- und Zuschließen der Kapelle 'Im Hirnholz'. Er erhielt dafür einen Betrag von zwei Gulden. Den kirchlichen Hauptbetrag im Wert von 15 Gulden bekam er in seiner Eigenschaft als Organist, Kantor und Chordirigent.
Von privat und damit gesondert vergütet werden mußte sein Einsatz bei besonderen Anlässen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.üblicherweise liefen hierbei ca. 10 Gulden auf. Dies war der einzige Teil seiner Einkünfte, der nicht offiziell zu seinem Gehalt gerechnet wurde. Schließlich kamen ihm noch die Zinserträge aus dem kirchlichen Lehrerfonds zu, die (bei 4 1/2 % aus 290 Gulden) ca. 13 Gulden und 3 Kreuzer ausmachten. An Naturalien erhielt der Lehrer kirchlicherseits noch drei Scheffel Dinkel im Wert von je 4 Gulden. Zusammenaddiert bestanden also die kirchlichen Einkünfte aus 47 Gulden und 3 Kreuzern.
Seine gesamten 'weltlichen und geistlichen' Einkommen beliefen sich somit auf 281 Gulden und 22 Kreuzer.
Die genannten Einkommensverhältnisse blieben so bis zum 25. Mai 1865. Das war der Zeitpunkt, zu dem auch in Unterboihingen die neue Schulnovelle durchzuführen war, derzufolge ein Lehrer mindestens 400 Gulden im Jahr verdienen sollte. Nach Lage der Dinge mußte nun ein Betrag von 118 Gulden und 38 Kreuzern ausgeglichen werden.
Gemeinde und Stiftungsrat behalfen sich wie folgt: Die Grundstücke,über die der Pfarrer verfügte, wurden neu und damit höher bewertet, nun auf 52 Gulden. Alle sonstigen Gemeindeeinkünfte des Lehrers wurden zu einem Gesamtbetrag von 296 Gulden und 57 Kreuzern zusammengefaßt, der ihm in vier Quartalsraten ausbezahlt wurde. Davon ausgenommen blieb lediglich und nach wie vor der Scheffel Dinkel im Wert von 4 Gulden, bei dem der Lehrer weiter die Wahl hatte, ihn in natura oder in bar zu beziehen.
Der Teil, den der Stiftungsrat zu reichen hatte, blieb unverändert bei 47 Gulden und 3 Kreuzern. Die Gemeinde ließ die Zahlungen zunächstüber den Schulfonds bis zu dessen Erschöpfung abwickeln. Bereits am 20. Januar 1866 mußte Schulfondspfleger Zeller, der zugleich Stiftungspfleger der Kirchengemeinde und Gemeinderat war, mitteilen, daß er die Beträge nicht mehr aufbringen könne. Nun erst trat die Gemeindekasse für die Lehrerbesoldung ein.
Schullehrer Stetter kam nur noch sechs Monate in den Genuß der erhöhten Bezüge, er starb bereits am 22. März 1866.

[HG992], S. 258 - 259: Einer der 'großen' Streitfälle im Unterboihingen dieser Zeit mag dies verdeutlichen. Schullehrer Stetter erhob Klage beim Oberamtsgericht Nürtingen gegen Margaretha und Simon Baumann, sie hätten seine Ehre in grober Weise verletzt. Das Oberamtsgericht schickte die Klage an die Gemeinde zurück. Es vertrat die Auffassung, daß die 'Strafgewalt des Gemeinderats in diesem Fall ausreiche'. Daß Lehrer in dieser Zeit mit Schülern nicht zimperlich umgingen, war das eine. Auslösend für den Fall war, daß der Schullehrer vier Kinder nach Ende des Unterrichts noch zwei Stunden nachsitzen ließ. Was sonst noch geschah, ist nicht aktenkundig. Auf jeden Fall verstieg sich Margaretha Baumann unter anderem zu folgender Feststellung gegenüber dem Lehrer: 'Er sei ein grober Sauflegel, der nur schreien und brüllen könne. Außerdem würden die Kinder nichts lernen' (Klageschrift). Schultheiß Schlichter lud die streitenden Parteien vor den Gemeinderat. Frau Baumann gab nur zu, sie habe den Lehrer einen Grobian geheißen und 'da er nur nicht nach Unterboihingen gekomme wäre, weil er so grob zu den Kindern sei.' Die von Stetter angeführten Zeugen wollten auch nicht mehr bestätigen. Der Schultheiß machte nun den Vorschlag, Frau Baumann solle den Lehrer 'um Verzeihung bitten'. Unter manchen Einwänden willigte der Lehrer schließlich ein. Die Verhandlung endete mit folgender Geste: "Baumann und Lehrer bieten einander versöhnend die Hand und verspricht Baumann, (sich) forthin gegen den Lehrer als gute Nachbarin zu benehmen." Frau Baumann wurde daraufhin die Strafe 'nachgelassen'.


Stetter/e2


Sohn Johann 'Friedrich' feierte 1836 goldene Hochzeit. Im Ehebuch ist hierzu ein vom Pfarrer verfaßtes Gedicht:

Vor 50 Jahren schloss mit Herz und Mund
das Jubelpaar des Ehestandes Bund
und hat erneuert seine Pflicht
vereint vor Gottes Angesicht.

Des Himmels Segen komm auf sie herab,
dass sie zusammen bis ins Grab
verträglich, friedlich, gleichgesinnt,
vor allem gottesfürchtig sind.

Und drückt sie ihres Alters Müh,
so tröste, so regiere sie,
dass jedes gern am Prüfungstag
des andern Bürde tragen mag.

Wenn einst der Tod sie trennt, o dann
sieh ihre Tränen gnädig an,
und bringe sie nach dieser Zeit
zusammen dort in Ewigkeit.